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Comarch investiert 15 Millionen Euro in Dresden

Der geplante Komplex aus saniertem Altbau (l.) mit Büros und Rechenzentren-Neubau. Abb.: Comarch

Der geplante Komplex aus saniertem Altbau (l.) mit Büros und Rechenzentren-Neubau. Abb.: Comarch

Dresden, 25.11.2011: Das polnische Softwareunternehmen „Comarch“ investiert derzeit rund 15 Millionen Euro in Dresden. Mit dem Geld errichtet die Firma ein neues Rechenzentrum und baut eine Gründerzeit-Villa daneben zu ihren neuen Deutschlandsitz um. Das teilte Gunnar Kind mit, der kaufmännische Direktor der Comarch AG.

 Mit der Sanierung des Altbaus und dem Neubau werden auch neue Jobs in der sächsischen Landeshauptstadt geschaffen: Derzeit hat die Comarch AG hier rund 80 Mitarbeiter, im Endausbau werden die Büroflächen an der Chemnitzer Straße dann Platz für bis zu 230 Beschäftigte bieten, erklärte Kind. Die Tiefgarage ist inzwischen fertig. Nun haben die Arbeiter begonnen, das erste Obergeschoss zu setzen. Das Bauprojekt soll im September 2012 abgeschlossen werden.

Telefonnetzbetreiber dürfen Kundendaten nicht in Polen speichern

„Unsere Kunden sind unter anderem große Telekommunikationsunternehmen wie E-Plus, die Telekom und Vodafone. Deren Daten dürfen aus rechtlichen Gründen nicht bei unserer Muttergesellschaft in Polen gespeichert werden, sondern nur in Deutschland“, begründete der Finanzdirektor die Investition. „Schon von daher brauchen wir ein leistungsfähiges Rechenzentrum.“

Finanzdirektor Gunnar Kind: „Mit der Abwärme, die durch die Rechner entsteht, könnte man ganz Plauen heizen“

Deshalb werden zwei der vier Etagen im Neubau-Kubus ausschließlich den Computern vorbehalten sein. Hier sollen insgesamt 100 Computerregale (sogenannte Server-Racks) eingebaut werden, in die jeweils bis zu 50 Rechnerplatinen gesteckt werden können. Damit lässt sich das Zentrum prinzipiell auf eine Kapazität von bis zu 40.000 Prozessorkerne – beziehungsweise entsprechende Speicherkapazitäten – aufrüsten. Eine Etage ist für Büros reserviert und eine weitere nimmt die aufwändige Kühltechnik auf, die solch ein Rechenzentrum heutzutage benötigt. „Mit der Abwärme, die durch die Rechner entsteht, könnte man ganz Plauen heizen“, meint Kind.

Der Altbau daneben ist ein (inklusive Dachetage) vierstöckiges Gebäude, das ursprünglich um das Jahr 1897 herum errichtet wurde. Hier sollen nach der Sanierung vor allem Büros Platz finden. Ein Zwischentrakt wird Alt- und Neubau verbinden.

Neubauprojekt sollte eigentlich früher beginnen

Eigentlich wollte die Comarch-Chefetage das Bauprojekt bereits im vergangenen Jahr realisieren, die Weltwirtschaftskrise verzögerte das Projekt jedoch. Dafür wird nun allerdings dreimal mehr investiert als zunächst vorgesehen, nämlich 15 statt ursprünglich geplanter vier bis fünf Millionen Euro. Wenn die Bauten fertig sind, will die Firma ihren bisherigen Sitz weiter südlich an der Chemnitzer Straße, der nur angemietet ist, aufgeben.

Die Muttergesellschaft Comarch S.A. entstand 1993 als Ausgründung aus der Uni Krakau. Heute beschäftigt das Unternehmen weltweit rund 3500 Mitarbeiter. 1999 wurde die deutsche Tochter Comarch Software AG in Frankfurt/Main gegründet. 2005 verlegte das Unternehmen seinen Deutschlandsitz nach Dresden, eine Tochtergesellschaft – die Comarch Software und Beratungs AG, ehemals SoftM –  ist in München angesiedelt. Im vergangenen Jahr realisierte die Comarch AG Deutschland etwa 18 Millionen Euro Umsatz, inklusive der Tochtergesellschaft in München waren es rund 50 Millionen Euro.

Hauptgeschäftsfeld der Comarch AG ist der Vertrieb, die Implementierung und Kundenbetreuung ihrer Geschäftsprogramme für Telekommunikationsunternehmen. Dazu gehören beispielsweise Softwarepakete für die Rechnungsabwicklung und die Steuerung der Netzauslastung.

Die Comarch-Gruppe beschäftigt inzwischen nach eigenen Angaben weltweit 3462 Mitarbeiter und realisierte im Jahr 2010 einen Umsatz von rund 761,4 Millionen polnischer Zloty (168,6 Millionen Euro). Heiko Weckbrodt 

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