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Netzportal zeigt Repressionsorte – vom Dresdner Fallbeil bis zum Speziallager Nr. 9

Münchner Fallbeil. Abb.: Michael/ Wikipedia

Münchner Fallbeil. Abb.: Michael/ Wikipedia

Dresden/Berlin, 16.11.2011: „Zum Tode Verurteilten wird am Vorabend ihrer Hinrichtung mitgeteilt, dass ihr Gnadenverfahren abgelehnt ist und das Urteil am folgenden Tag vollstreckt werden wird. Sie erhalten eine Mahlzeit und die Möglichkeit, einen Abschiedsbrief zu schreiben. Weitergeleitet werden diese Briefe in der Regel nicht. In den frühen Morgenstunden vollstreckt der Scharfrichter das Urteil mit Fallbeil…“ Die Rede ist vom alten Gerichtsgebäude am Münchner Platz in Dresden – von 1952 bis 1956 die zentrale Hinrichtungsstätte der DDR. Diese und andere Orte, an denen (auch) Unrecht geschah, sind nun im Internetportal „Orte der Repression“ dokumentiert.

„Mit zunehmendem zeitlichen Abstand vermehren sich Tendenzen, die DDR, ein Unrechtsstaat, der Menschenrechte verletzte und Bürgerrechte versagte, zu verharmlosen“, erklärte Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU), als er das Portal gestern freischaltete. „Umso wichtiger ist der Zugang zu Informationen über die historische Wirklichkeit.“ Um vor allem Jugendliche über deren Leitmedium Internet zu erreichen, finanzierte dieses Projekt des „Hauses der Geschichte der Bundesrepublik“ mit 90.000 Euro aus seinem Etat.

Auf der Startseite empfängt den Besucher eine DDR-Karte mit 45 ausgewählten Orten, darunter Hafthäuser der Stasi, Hinrichtungsstätten und Grenzanlagen, aber auch das „Speziallager Nummer 9“ in Fünfeichen, in dem der sowjetische Geheimdienst NKWD nach dem Krieg insgesamt rund 15.400 echte und vermeintliche Kriegsverbrecher und Nazi-Sympathisanten festhielt – über 4900 von ihnen überlebten das Lager nicht.

Kritisch mag man einwenden, dass sich das Portal ausschließlich auf DDR-Unrecht fokussiert, die aufgeführten Orte aber oft eine recht komplexe und lange Vergangenheit haben. Das erwähnte Gebäude am Münchner Platz in Dresden zum Beispiel entstand 1907 als Königliches Landgericht und wurde ab 1933 von den Nazis exzessiv als Hinrichtungsstätte genutzt – bis 1945 köpfte die sogenannte „Fallschwertmaschine“ dort über 1300 Menschen, darunter Kriminelle, aber auch Widerstandskämpfer und Fahnenflüchtige. Ab 1945 verurteilten hier sowjetische Militärtribunale zahlreiche Menschen zu langen Haftstrafen oder zum Tode per Genickschuss. Zwischen 1952 und 1956 ließ dann die DDR-Justiz hier mindestens 66 Todesurteile vollstrecken. Heute ist das Gebäude eine Gedenkstätte. Heiko Weckbrodt

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