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DVD „Life in a Day“: Ach wie bunt!

Will zeigen, wie bunt die Welt ist: "Life in a Day". Abb. (2): REM

Will zeigen, wie bunt die Welt ist: "Life in a Day". Abb. (2): REM

Was erhält man, wenn man Menschen auffordert, ihre Tageserlebnisse auf Video aufzunehmen und an ein kommerzielles Filmstudio zu senden? Mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Mix aus Belanglosigkeiten, gierigen Versuchen, fürs Kino entdeckt zu werden, und nur ausnahmsweise Authentisches. So ist es auch den Regisseuren Kevin Macdonald („Der Adler der IX. Legion“) und Ridley Scott („Gladiator“) ergangen, die für ihren Versuch, den Film 2.0 zu kreieren, über 80.000 Einsendungen mit insgesamt reichlich 4500  Videostunden auf eineinhalb Stunden „Life in a Day“ zusammengeschnitten haben.

Zeigen wollten Macdonald und Scott wohl vor allem, wie bunt die Welt doch ist, tatsächlich gezeigt haben sie aber doch nur Erwartetes. Denn „Life in a Day“ hat durchaus auch interessante und faszinierende Momente, zerfasert aber vor allem in ratloser Irrelevanz.

Das Problem dahinter liegt schon im Konzept begründet: Wer Youtube will, bekommt auch Youtube – eine quantitativ gewaltige Flut aus Videos, von denen der übergroße Teil nur für jeweil ein Spezialpublikum interessant ist oder gar nur für die nächsten Angehörigen des Hochladers. Eben so., als ob man das Besondere des Konzepts Internet zeigen wollte, indem man blind hineingreift und die Funde dann aneinanderreiht.

Denn gewiss ist die Welt komplex und vielfarbig. Und die Idee, sich 24 Stunden rund um den Erdball herauszupicken, um dies zu demonstrieren, hat auch was. Dieses Konzept aber nicht neu und ist bereits klüger realisiert worden, man denke nur an „Night on Earth“. Was dort aber durch künstlerische Verdichtung und eine überschaubare Zahl professioneller Regisseure funktioniert hat, will sich bei „Life in a Day“ einfach nicht einstellen, wird dort zur Aneinanderstückelung.

Nun kann man natürlich auch in die andere Richtung gehen und auf ungefilterte Authentizität setzen – diese aber einzufangen und in eine sinnvolle Auswahl zu gießen, ist wiederum hohe Kunst. Scott und MacDonald haben sich aber für keinen der beiden gangbaren Wege entscheiden können und sind dadurch weder authentisch noch dramatisch. Das Motto: „Was, wir haben hier eine Menge Schrott darunter? Dann machen wir den eben interessanter, indem wir ihn werbeclib-mäßig aneinanderschneiden und dramatische Musik darunter legen!“ Großes Kino – sei es nur fiktional oder dokumentarisch – sieht anders aus.

Aber die Geschmäcker sind natürlich verschieden und wer sich eine eigene Meinung bilden will, kann entweder zur nun erschienen DVD-Edition greifen oder auf Youtube abrufen. Heiko Weckbrodt

„Life in a Day“ (Rapid Eye Movie), Youtube-Kompilation, UK 2011, R.: K. Macdonald, P 6, DVD 16, Bluray 15 Euro

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