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Tempo 128: Telekolumbus investiert 15 Millionen Euro in Dresdner Internetnetz

Projektleiter Ulf Böttcher zeigt die Verteiler in der Dresdner Kopfstation. Abb.: (3): Heiko Weckbrodt

Projektleiter Ulf Böttcher zeigt die Verteiler in der Dresdner Kopfstation. Abb.: (2): Heiko Weckbrodt

Dresden, 27.10.2011: Nachdem im Frühjahr 2011 bereits „Kabel Deutschland“ und „Primacom“ TV- und Internetnetze der nächsten Generation (DOCSIS-3.0-Standard) in Dresden in Betrieb genommen hatten, hat heute auch der Kabelnetzbetreiber „Telecolumbus“ in der sächsischen Landeshauptstadt eines der – nach eigenen Angaben – modernsten Multimedia-Netze Europas in Betrieb genommen. Bis Ende 2012 will das Unternehmen rund 15 Millionen Euro in den Auf- und Ausbau dieses Netzes investieren, mit dem die Dresdner mehr als doppelt so schnell im Internet surfen können wie über den leistungsfähigsten VDSL-Anschluss via Telefonkabel. Das teilte Telecolumbus-Vertriebsdirektor Jean-Pascal Roux mit. Etwa die Hälfte der Summe habe man bereits verbaut.

Angeschlossen werden in diesem und im nächsten Jahr rund 100.000 Dresdner Haushalte vor allem auf der Altstädter Elbseite. Erreichbar ist in der ersten Stufe ein Ladetempo bis zu 128 Megabit je Sekunde (Mbs), informierte Unternehmenssprecher Hannes Lindhuber. Die hochmoderne DOCSIS-3-Technik, die man einsetze, lasse aber auch Anschlüsse mit 400 Mbs zu. Bei diesem Tempo könnte man theoretisch den Dateninhalt einer doppelseitigen Video-DVD binnen drei Minuten aus dem Netz saugen – in der Praxis liegt das Ladetempo freilich meist niedriger. Außerdem will das Unternehmen über dieses Netz digitale und hochaufgelöste Fernsehprogramme, Internettelefonie und andere Dienste anbieten.

Da freut sich Oma: Rechnerfarm wandelt Digital- in Analogprogramme um
Hannes Lindhuber. Abb.: TC

Hannes Lindhuber. Abb.: TC

Um diesen hohen Datendurchsatz zu erreichen, verlegt Telecolumbus in diesem und im kommenden Jahr 4300 Kilometer Glasfaserleitungen in Dresden. Bereits eingerichtet ist eine 600.000 Euro teure Kopfstation auf der Räcknitzhöhe mit übermannshohen Satellitenschüsseln und einer Direktverbindung zu den großen Internetknoten. In dieser Kopfstation wandeln zudem Hochleistungsrechner 32 digitale TV-Programme in eine analoge Form um. Grund: Im Frühjahr 2012 schalten die Satellitenbetreiber alle Analogprogramme ab, „viele unserer Kunden wollen aber ihre alte Technik gern weiterverwenden“, so Lindhuber.

Der Ausbauplan für Dresden

Der Ausbauplan für Dresden

Bis Ende 2011 werden rund 36.000 Haushalte in Prohlis, Leubnitz, Nickern, Gorbitz, Zschertnitz, der Südvorstadt, Seidnitz und Striesen-Süd an das neue Netz angeschlossen, weitere 30.000 Haushalte folgen 2012 in Johannstadt, Striesen West, in der Pirnaschen Vorstadt, in Tolkewitz, Leuben, Striesen, Gorbitz, Cotta und in der Neustadt. Dies sind vor allem Häuser der Gagfah und der Wohnungsgenossenschaften. Für weitere Wohnblocks im Privatbesitz müsse man noch Verhandlungen mit den Eignern führen, so Roux. Perspektivisch sollen über das Netz auch ganz neue Dienste angeboten werden, zum Beispiel elektronische Betriebskostenabrechnungen.

 

Das hält auch Steffi Ritter vom „Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften“ für eine interessante Idee, betonte aber vor allem: „Schnelle Internetzugänge sind heutzutage kein Luxus mehr, sondern eine Selbstverständlichkeit und ein elementares Vermietungsargument.“ Daher begrüße der Verband die Investitionen von Telecolumbus.

 

Betreiber verzichtet auf Paketzwang

Das Unternehmen mit Sitz in Berlin hat insgesamt 2,1 Millionen Kunden, vor allem in den Neuen Bundesländern. Mit seinen Preismodellen macht es insbesondere der Deutschen Telekom Konkurrenz – diese kann im Regelbetrieb maximal 50 Mbs Internettempo bieten und verkauft diese VDSL-Dienste nur in relativ teuren Koppelpaketen mit Telefondiensten, während Telecolumbus schnellere und billigere Anschlüsse offeriert und dies ohne Paketzwang. Beispiel: Die Telekom bietet ihr VDSL-50-Paket derzeit für 45 Euro an, Telecolumbus verkauft seine 64-Mbs-Leitung für 35 Euro. Auch „Kabel Deutschland“ und „Primacom“ haben DOCSIS-Netze in Dresden, aber nicht ganz so moderne und schnelle. Heiko Weckbrodt 

 

Tarife: www.telecolumbus.de

Stichwort „DOCSIS 3.0“

„Data Over Cable Service Interface Specification“ (DOCSIS) ist ein Übertragungsstandard für Kabelmodems in Breitbandnetzen. Die Version 3.0 erreicht durch Fernsehkanalbündelung bis zu 400 Mbs. In der Regel werden dafür Glasfaserkabel bis zum jeweiligen Straßenzug (Fiber to the Building = FTTB)) gezogen, die Feinverteilung in die Haushalte geschieht dann über Koaxial-Kupferkabel. Die Durchsatzrate kann erhöht werden, wenn die Betreiber die Koax-Kabel durch Glasfaserleitungen bis in die einzelnen Wohnungen ersetzen (Fiber to the Home = FTTH), was aber technologisch, baulich und finanziell aufwendig ist. Heiko Weckbrodt

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