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Hightech-Cluster Dresden: 11 Prozent mehr Jobs als vor Qimonda-Pleite

Am Hightech-Standort Dresden brummt es wieder- hier eine Reinraumbrücke bei Globalfoundries Dresden. Abb.: GF

Am Hightech-Standort Dresden brummt es wieder- hier eine Reinraumbrücke bei Globalfoundries Dresden. Abb.: GF

Dresden, 11.10.2011: Der Mikroelektronikstandort Dresden hat die bisher tiefste Branchenkrise 2008/09 nicht nur überwunden, sondern erwirtschaft inzwischen mehr Umsatz und beschäftigt mehr Menschen als vorher. Das teilte Dresdens Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) zum Auftakt der „Semicon Europe 2011“ mit.

Abb., (2): LHD

Demnach sind in der Hightech-Region Dresden, zu der das Dreieck Dresden-Freiberg-Chemnitz unter dem namen „Silicon Saxony“ gezählt wird, mittlerweile 48.000 Menschen in Chipwerken, Zulieferunternehmen, Hightech-Ausrüstern, Software-Industrie und verwandten Branchen tätig. Gegenüber dem Jahr 2006 entspreche dies einem Zuwachs um elf Prozent, so Hilbert. Die Zahl der dazu gehörenden Unternehmen legte im gleichen Zeitraum um 22 Prozent auf 1500 zu, der von ihnen erwirtschaftete Umsatz sogar um 48 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro.

All dies unterstreiche „eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit des Standortes Dresdens“, sagte Hilbert. Der Aufwärtstrend werde „sich bald auch in der Wertschöpfungsbilanz der Stadt insgesamt niederschlagen“, meinte er. „Die Unternehmen und Forschungseinrichtungen müssen diesen Schwung nutzen und nun verstärkt investieren, um zukünftige Schwankungen im hoch volatilen Markt besser verkraften zu können“, heißt es in der weiter in der Analyse.

Dresdens amtierender OB Dirk Hilbert. Abb.: LHD Dresden

Dirk Hilbert. Abb.: LHD

Der amtierende Dresdner Oberbürgermeister stützte sich dabei auf die „Branchenanalyse Mikroelektronik-/IKT-Cluster Region Dresden 2011“. Die hatte der Branchenverband „Silicon Saxony“ im Auftrag des Dresdner Amtes für Wirtschaftsförderung von März bis August 2011 angefertigt.

Hintergrund: Dresden hatte bereits zu DDR-Zeiten eine zentrale Rolle in der ostdeutschen Mikroelektronik und Computertechnik gespielt. Nachdem sich AMD und Infineon in der zweiten Hälfte der 1990er Jahren hier ansiedelten, entwickelte sich der Standort zu einem der wichtigsten Chipfertigungsstandorte in Europa. Mit der schweren Halbleiterkrise 2008/09 folgten dann aber schwere Dämpfer: Infineon Dresden ging in Kurzarbeit und setzte seine Leiharbeiter vor die Tür und mit der Qimonda-Pleite Anfang 2009 waren auf einen Schlag rund 3000 Jobs in der Stadt dahin.

Vor allem die „Strategie der stärkeren Konzentration auf ,More than Moore'“ habe der Region wieder aufgeholfen, heißt es in der Branchenanalyse. „More than Moore“ beschreibt etwas euphemistisch, dass es der Mikroelektronik immer schwerer fällt, die Prozessor-Taktraten und Chipintegration wie in früheren Jahren zu steigern, als man sich noch am „Gesetz“ von Intel-Mitgründer Gordon Moore orientierte, dass sich die Leistungskraft von Computerchips alle ein bis zwei Jahre verdoppelt.

De facto hat sich der Standort Dresden (und Europa) seit der Qimonda-Insolvenz aus dem Wettlauf um die höchstintegrierten dRAM-Speicher verabschiedet, aus den AMD-Werken ist ein Auftragsfertiger (Foundry) geworden und Infineon Dresden konzentriert sich immer mehr auf spezielle Logikchips für Sicherheits-, Automobil- und Leistungselektronik. Obgleich „Silicon Saxony“ insofern nicht mehr in allen Segmenten der Spitzenliga mitmischt, hat diese Strategie anscheinend Früchte getragen, wie die harten Zahlen zeigen. Auch stehen wieder Großinvestitionen auf der Tagesordnung: Die Dresdner Globalfoundries-Fabrik (die ehemaligen AMD-Werke) wird derzeit für zwei Milliarden Euro ausgebaut und Infineon hat eine neuartige 300-Millimeter-Fabrik für Leistungshalbleiter (Gesamtinvestitionsvolumen: rund 250 Millionen Euro) angekündigt.

Auch von daher hat der Verband „SEMI“ in diesem Jahr erneut Dresden als Tagungsort für Europas größte Halbleitermesse „Semicon Europe“ auserkoren, die heute begonnen hat. Erwartet werden rund 800 Ausssteller und über 10.000 Fachbesucher aus Europa und Übersee. Heiko Weckbrodt

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