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Bluray „Aftershock“: China im Zeitraffer zwischen zwei Beben

Überlebt auf wundersame Weise das große Beben: Das Mädchen Fang Deng. Abb. (3): Koch Media

Überlebt auf wundersame Weise das große Beben: Das Mädchen Fang Deng. Abb. (3): Koch Media

Tangshan 1976, östlich von Peking: Heerscharen von Libellen schwrirren durch die Stadt – die Insekten ahnen die Katastrophe. Kurz darauf bebt die Erde, legt ganze Viertel in Schutt und Asche und reißt 240.000 Menschen in den Tod. Zwischen den Trümmern Lia Yuanni. Ein Trupp „Retter“ bedrängt die junge Mutter: „Entscheide Dich Frau: Wir können die Platte anheben – aber nur in eine Richtung. Heben wir links, stirbt dein Sohn, heben wir recht, ist es deine Tochter“. Lia schreit und barmt: „Rettet sie beide!“. Bis ihr der Atem ausgeht und die Männer zu gehen drohen – und sie trifft ihre Entscheidung.

Aftershock“ ist – anders als Cover und Titel nahelegen – weniger ein Katatrophenfilm, sondern ein episch über mehrere Jahrzehnte gespanntes Drama über eine Familie, die durch das große Beben zerissen wird. Leider hat Regisseur Feng Xiaogang allzu oft ziemlich dick aufgetragen und nach Hollywood geschielt, gleitet immer wieder mal ins Schmalzige ab.

Li Yuanni ist verzweifelt: Ihre Zwillinge sind unter Trümmern begraben.

Li Yuanni ist verzweifelt: Ihre Zwillinge sind unter Trümmern begraben.

Und doch hat „Afterschock seine Qualitäten, weil es sich auf Menschen und nicht allein auf Herzschmerz plus spektakuläre Weltuntergangsbilder konzentriert. Vor allem aber, weil es auch über ein China erzählt, dass sich im Zeitraffer von einem überideologisierten Bauernkommunismus zu einer in sich zerissenen Industrienation verändert. Bezeichnend sind die Bilder der Erdbeben 1976 und 2008, die die Familiengeschichte klammern: Da Maos uniformer Volkssturm, der mit völlig unpraktischen roten Fahnen kilometerweit zu Fuß in die Katastrophenregion eilt, überall die Poster vom Großen Vorsitzenden, Kinobesuch wie aus einer „1984“-Verfilmung geschnitten. Reichlich 30 Jahre später dann Städte, die kaum von amerikanischen oder japanischen Metropolen zu unterscheiden sind, mit handybewaffneten Menschen in bunten Kleidern, dazwischen Soldaten in Uniformen nach dem Vorbild der US-Armee, die in Hubschraubern landen.

In China lockte der Streifen ein Millionenpublikum an, nun ist er auch in Deutschland als Video erschienen. Vieles mag da dem westlichen Zuschauer fremdartig, ja bizarr erscheinen – doch angucken lohnt sich. Heiko Weckbrodt

„Aftershock“ (Koch Media), China 2010, Katahstrophendrama, R.: Feng Xiaogang, P 16, DVD zehn, Bluray 13 Euro
 
 

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