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DVD „Bergblut“: Tiroler zwischen zwei Kaisern zerrieben

In Tirol wird der Wirt Andreas Hofer bis heute als Volksheld gefeiert, „Bergblut“ entwickelt da ein etwas anderes Bild: Der bärtige Rebellenführer, der mit seinen Aufständen gegen Napoleons Truppen auch Leid und Elend über die Berghütten, über die Tiroler Familien brachte, von denen bald jede mindestens einen Sohn in der letztlich erfolgreichen Revolte verlor.

Geschildert wird dies aus der Perspektive der Augsburger Bürgerstochter Katharina (Jutta Speidel). Die verliebt sich in den Bauernsohn Franz, zieht mit ihm weg aus dem wohlbehüteten Elternhaus in die Berge, wo ihr alles fremd ist: Die ungebildeten Bauern, die von harter Arbeit leben, die inbrünstig beten, aber nicht lesen, die der „Hexe“ aus der „Patrizierstadt“ mit Argwohn, ja Feindseligkeit begegnen. Ihr bleibt die tief verwurzelte Schollenverbundenheit der Tiroler lange fremd und so setzt sie drastische Mittel ein, um zu verhindern, dass der Hofer und der Krieg ihr den Mann nimmt, zerrieben zwischen den Interessen zweier Kaiser – Napoleon und Franzens Namensvetter ind Wien…

Das hatte sich die Arzttochter Katharina wohl anders vorgestellt: Zum Schluss behandelt sie Soldatenfüße.

Das hatte sich die Arzttochter Katharina wohl anders vorgestellt: Zum Schluss behandelt sie Soldatenfüße.

„Bergblut“ ist ein Heimatfilm der etwas anderen Art und hat nichts mit der „Heile Welt“-Illusion des Genres zu tun, steht eher in der Tradition des neuen, harten „Heimatfilms“ à la „Siebtelbauern“. Zugegebenerweise ist er streckenweise etwas anstrengend anzusehen und –hören, da der von vielen Protagonisten gesprochene Dialekt doch sehr weit vom Hochdeutschen entfernt ist, da werden teilweise auch Untertitel eingeblendet.

Dennoch lohnt es sich, den Streifen bis zum Ende anzuschauen, beleuchtet er doch ein hierzulande wenig beachtetes, aber wichtiges Kapitel der napoleonischen Kriege. Vor allem aber überzeugt er in Story, Darstellern und wuchtigen Bergpanoramen. Schade nur, dass in der Bonussektion zwar geschnittene Szenen und Versprecher zu finden sind, aber keine Interviews mit den Machern – das wäre sicher interessant gewesen. Heiko Weckbrodt

„Bergblut“ (Summiteer/Sunfilm), I/D 2010, R.: Philipp Pamer, DVD 13, Bluray 17 Euro, P 12
 
Im Affekt erschlägt Franz einen französischen Offizier - und muss mit katharina in die Berge fliehen. Abb. (3): Sunfilm

Im Affekt erschlägt Franz einen französischen Offizier - und muss mit Katharina in die Berge fliehen. Abb. (3): Sunfilm

 

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