Internet & Web 2.0, Wirtschaft
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Wie man sich im Internet-Zeitalter empfiehlt

Jörg Klukas. Abb.: privat

Jörg Klukas. Abb.: privat

Über 1000 IT-Firmen und -abteilungen in Sachsen

Dresden 11.9.2011: Wenn hierzulande immer öfter über Fachkräftemangel geklagt wird, dann ist das – bisher jedenfalls – vor allem ein Problem kleinerer Firmen: Sie können meist nicht so hohe Gehälter wie die „Leuchttürme“ zahlen und so gehen die besten Ingenieure eben woanders hin. Allein in Sachsen gibt es über 1000 informationstechnologische (IT) Firmen und Abteilungen, schätzt Jörg Klukas, der Chef der Dresdner Firma „Pludoni“. „Der allergrößte Teil davon hat aber nur zehn bis höchstens 30 Mitarbeiter. Die haben kein großes Budget für die Personalakquise und sind wegen ihrer geringen Größe für Bewerber kaum sichtbar.“

Deshalb gründete Klukas vor knapp zwei Jahren sein Unternehmen „Pludoni“ – der Name kommt aus der Kunstsprache Esperanto und bedeutet „Weitergeben“. Und darin steckt auch schon der Kern des Pludoni-Portals „IT Sax“, mit dem der studierte Informatiker Anfang 2009 an den Start ging und das sich von den Hunderten anderen Bewerbungsbörsen im Internet durch ein pfiffiges Konzept unterscheidet:

„Da kann jede IT-Firma in Sachsen mitmachen und seine Stellen ausschreiben“, erklärt Klukas. „Es gelten dabei aber ein paar Regeln: So soll jedes Mitglieds-Unternehmen, das einem Bewerber eine Absage erteilt, eine Passage reinschreiben, dass er es alternativ bei IT-Sax probieren soll.“

Die Besten erhalten Referenz-Codes

Aber eine andere Klausel macht das Portal erst zu einem Empfehlungssystem, das auf moderne Art ein wenig an die wohlmeinenden Referenzschreiben aus alten Zeiten erinnert, die zum Beispiel fähigen Privatsekretären einst Tür und Tor am nächsten Fürstenhof öffneten: „Oft lehnen große Firmen, die bei Ausschreibungen unter mehreren Kandidaten wählen können, selbst gute Leute ab, weil sie aus verschiedenen Gründen einfach nicht ins konkrete Profil passen“, erläutert der Pludoni-Chef. „Wenn sie solch einem guten Bewerber absagen – und das ist nach meiner Erfahrung etwa jeder zehnte abgelehnte Kandidat –, geben sie ihm einen Empfehlungscode.“ Wählt sich der Bewerber nun mit diesem Code bei „IT Sax“ ein, verbessern sich seine Chancen auf einen guten Job drastisch. Denn die Mitgliedsfirmen kennen diese Codes und vertrauen auf die Empfehlungen der anderen Personalchefs.

Rasch wurde das System zum Selbstläufer: „IT Sax“ war bald so beliebt, dass Software-Firmen aus dem Leipziger Raum ein eigenes System wollten und dies hat Klukas als „IT Mitte“ im Februar 2010 gestartet. Ende Mai 2011 folgte „MINT Sax“ für Betriebe außerhalb der Software-Branche, die zum Beispiel gute Physiker, Ingenieure, Mechatroniker und ähnliche Experten mit mathematischem, informationstechnologischem oder naturwissenschaftlich-technischem Profil (dafür steht das Kürzel MINT) suchen. Weitere Portale wie „Office-Sax“ für Büroangestellte sind bereits „in der Pipeline“.

Selbst kleine Firmen werden durch Videos im Netz „sichtbar“
Videodreh bei Pludoni. Abb.: Pludoni

Videodreh bei Pludoni. Abb.: Pludoni

Auch hat Pludoni um die IT-Sax-Idee herum weitere Dienste gesponnen. So hat Klukas zum Beispiel einen Kameramann und einen Videobearbeiter ins Boot geholt. Zusammen entwickelten sie eine preisgünstige Lösung, damit sich Firmen, die auf den Pludoni-Portalen nach Bewerbern suchen, in Kurzvideos vorstellen können, um das Interesse der Kandidaten zu wecken. „Im Internet klicken die Nutzer im Schnitt zehn Mal häufiger auf Beiträge mit Filmen als auf solche mit nur statischen Bildern“, betont Klukas. „So machen wir kleinere Firmen für potenzielle Bewerber im Netz erst richtig sichtbar.“

Mittlerweile beschäftigt Pludoni acht Mitarbeiter. In zwei bis drei Jahren, so Klukas, wolle man auf über eine Million Euro Jahresumsatz kommen. Im Moment führt er seine Firma noch von seinem Wohnzimmer in einer Loschwitzer Villa aus. Gegen Jahresende soll das Unternehmen dann einen eigenen Sitz beziehen.

Sein Konzept funktioniert freilich vor allem durch besondere Kontakte und Erfahrungen, die Gründer anderer Bewerberportale nicht unbedingt haben: Klukas, der einst an der TU Dresden Informatik studierte, schob ein Betriebswirts-Studium in Paris hinterher, arbeitete ein Jahr bei „General Electric“ und kam schließlich zur Multimedia-Softwarefirma „T-Systems Dresden“. „Dort habe ich siebeneinhalb Jahre lang fast alles gemacht“, erinnert sich Klukas. Er war Berater, beschäftigte sich mit Vermarktungstechniken in „sozialen Netzwerken“ wie Facebook, wurde schließlich Personalleiter. Da hatte er Tag für Tag mit Stellenbewerbern, aber auch Partnerfirmen, die Absolventen suchten, zu tun – und dort wurde auch seine Geschäftsidee geboren. „Derzeit verdiene ich zwar nur ein Fünftel meines früheren T-Systems-Gehaltes“, sagt er. „Aber ich wollte mich schon immer selbstständig machen und habe mir mit Pludoni einen Traum erfüllt.“ Heiko Weckbrodt

www.pludoni.de, www.itsax.de
 
Eröffnung des Portals IT-Sax durch den sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich (CDU):
 

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