Kommentar & Glosse
Kommentare 2

Visionär und Streitfigur

Oigers Meinung zum Ende der Apple-Ära Steve Jobs

Der Rücktritt von Steve Jobs als Apple-Chef war heute ein Paukenschlag. Aber er kam nicht ganz unerwartet: Es war ein offenes Geheimnis, dass Jobs seit seiner Krebserkrankung gesundheitlich angeschlagen blieb. Wer diese tückische Krankheit in seiner Familie erlebt hat, der weiß, wie sehr die Behandlungen und Folgewirkungen einen Menschen kaputt machen können.

Als Unternehmer und Technologe war und bleibt Jobs in einem zwiespältigen Licht: Mit ihm stand und fiel Apple in der vergangenen Jahrzehnten, er war wie ein Erfolgsquell, wenn er im Unternehmen war. Andererseits begründete er auch die negativen Aspekte an Apples Ruf heute, als oft arrogantes Unternehmen, dem nichts wichtiger ist als Geld zu scheffeln.

Inflationärer Stempel „Visionär“ passt auf Jobs wirklich
Der Apple II begründete ein modernes PC-Konzept. Abb.: Marcin Wichary/Wikipedia

Der Apple II begründete 1977 ein modernes PC-Konzept. Abb.: Marcin Wichary/Wikipedia

Freilich dominieren die hellen Seiten Jobs, wenn man die vergangenen 35 Jahre Revue passieren lässt: Das oft so inflationär gebrauchte Wort vom „Visionär“ passt auf ihn wirklich. Während IBM noch auf Mainframes setzte, erkannten Jobs und seine Mitstreiter das Potenzial des PC-Konzeptes. Und im Vergleich zur IBM-Wintel-Allianz stellten sie bei den Apple-Rechnern Bedienfreundlichkeit und Nutzerorientierung in den Vordergrund und nicht, wie beim IBM-DOS-Intel-kompatiblen PC,  die Perspektive von Buchhaltern und Ingenieuren.

Die Zeichen der Zeit erkannt
Mit dem iPod eröffnete Jobs den MP3-Markt für Apple. Abb.: Luki.r/Wikipedia

Mit dem iPod eröffnete Jobs den MP3-Markt für Apple. Abb.: Luki.r/Wikipedia

Noch deutlicher wurde die Vorausschau des Mannes, als Apple in einem Canossa-Gang um Nachsicht bat und ihn wieder zurückholte: Das Unternehmen stand kurz vor dem Aus, der Marktanteil der Apple-Rechner litt da unter galoppierender Schwindsucht. Jobs beendete ab 1997 unglückliche Experimente seiner Vorgänger und erkannte die Zeichen der Zeit: Gegen die grauen Einheits-PCs setzte er Design, während Microsoft noch das halbgare Windows 98 vermarktete, setzte er mit dem Betriebssystem Mac OS-X wieder neue Maßstäbe. Vor allem aber erkannte er den Trend hin zu mobilen Geräten und expandierte Apple in die Märkte für MP3-Player und Handys – und zwar jeweils gleich mit Geräten wie dem iPod und dem iPhone, die sich durch eine Kombination aus cleveren Bedienkonzept, fortschrittlicher Technologie und raffinierter Vermarktung gleich an die Spitze dieser Produktsegmente setzen. Mit dem iPad schuf er gar einen neuen Markt, denn die Tablettrechner vorher waren bis dahin ein bereits von vielen Anbietern bereits aufgegebenes Randprodukt. Das iPad wurde derart zum Trendsetzer, dass er sogar den erst kurz zuvor von Asus geschaffenen Netbook-Markt fast wieder kaputt machte.

Das Vermarktungstalent Jobs

Und: Bei all dem suchte auch der Vermarkter Jobs seinesgleichen: Er schaffte es, Apple von einem Mitleids-David zum Trendmacher in der öffentlichen Wahrnehmung hochzustilisieren, iPhone & Co. zu Status-Symbolen zu machen, für die der Konsument eben auch sehr hohe Preise bezahlte und damit heutige Gewinnspannen um die 26 Prozent für Apple ermöglichte. Das Unternehmen musste gar keine Werbung mehr bezahlen: Die Massenmedien berichteten bereitwillig im redaktionellen Teil kostenlos über die Eröffnung jedes neuen Apple-Ladens, über jede kleine Verbesserung am iPhone etc. pp.

David-Bonus inzwischen verspielt

Allerdings mehren sich seit einiger Zeit auch die negativen Stimmen. Als Apple zum Beispiel 30-Prozent-Steuern für elektronische Produkte wie eBücher und eZeitungen in seinem App-Store einführte, weil sich viele Nutzer durch Apples Software-Politik und all die Registrierungszwänge entmündigt fühlten und dergleichen mehr. Apple mit seinen 65 Milliarden Dollar Jahresumsatz gilt dadurch heute bei vielen längst nicht mehr als natürlicher Sympathieträger David, sondern eher als diktierender Goliath. Die hatte eben Licht- und Schattenseiten, die Ära Steve Jobs. Heiko Weckbrodt

2 Kommentare

  1. Bernd Hempelmann sagt

    Hallo Heiko,

    wenn Du jetzt noch das e streichst, das gleich im ersten Satz zu viel ist, wird es noch besser. Ist nur ein kleiner Schönheitsfehler, aber Du weißt ja, wie das stören kann.

    Beste Grüße (und ohne Dich nerven zu wollen)
    Bernd

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.