Bücherkiste, Hardware, Wirtschaft
Schreibe einen Kommentar

Kindle kann nun Deutsch: Amazon will jetzt auch hiesigen eBuch-Markt aufrollen

Eine ganze Bibliothek im jackettaschenformat: der Kindle. Abb.: Amazon

Amazons eBuch-Lesegerät Kindle hat sich als Erfolgsmodell erwiesen, sowohl als Gerät wie auch als neuer Vertriebskanal für Bücher. Amazon hält sich mit genauen Zahlen zwar gern zurück. Marktforscher gehen aber davon aus, dass der Kindle seit seiner Erstpräsentation 2007 einen Marktanteil von 40 bis 50 Prozent an allen weltweit verkauften Lesegeräten für digitalisierte Bücher erobert hat. Nun gibt es den Kindle auch in Deutschland.

Von Heiko Weckbrodt

Neben den Verkaufszahlen des Kindles viel bedeutsamer ist die Art, wie das gerät den Buchmarkt verändert hat: Mittlerweile verkauft der weltweit größte Internetbuchhändler Amazon mehr eBücher als gedruckte Bücher. Und ein wesentlicher Teil dieser Umsätze dürfte direkt über den im Gerät integrierte „Kindle-Shop“ geordert worden sein.

All dies galt bis vor kurzem allerdings nicht in Deutschland: Hier hat vor allem die Buchpreisbindung eine Siegeszug der eBücher wie in den USA verhindert und auch Amazon zögerte angesichts des reglementierten deutschen Marktes lange, den Kindle hier überhaupt anzubieten. Bisher konnten deutsche Kunden zwar die US-Version des Geräts aus Übersee ordern, die aber ohne deutschen Buchladen und mangels drahtlose Bringdienstes nur beschränkten Nutzwert hatte.

Dies hat sich nun geändert. Seit kurzem vertickt das Unternehmen hier eine deutsche Kindle-Version, die wir zwei Wochen lang getestet haben – und das Gerät konnte weitgehend mit seinem durchdachten Konzept überzeugen. Ausgestattet ist es mit einem 15-Zentimeter-Bildschirm aus elektronischem Papier von E-Ink und liegt dank einem Gewicht von nur 241 Gramm leichter in der Hand als die meisten Taschenbücher. Eine spürbare Verzögerung beim Blättern ist nicht mehr sichtbar – ganz anders als bei den ersten eBuch-Geräten. Als Buchformate unterstützt er Amazons AZW-Dateien, außerdem PDFs, MP3s und Txts – das in Deutschland weitverbreitete ePub hingegen nicht. Über ein USB-Kabel kann man Dateien auf den Kindle aufspielen und ihn aufladen. Der (einmal vollgeladene) Akku erschöpfte sich in unserer zweiwöchigen Testzeit aber nicht.

Der deutsche eBuch-Laden von Amazon. Abb.: Bildschirmfoto


Ein besonderer Clou ist das „Whispernet“: Das Kindle ist im Hintergrund drahtlos mit einem Amazon-Vertragsnetzwerk verbunden, über das Bücher ohne Übertragungskosten gekauft und geliefert werden. Da das Gerät über Tastatur und eine Art Mauspad verfügt, kann der Nutzer unterwegs Bücher nachbestellen und im Kindle-Shop stöbern.

Was uns nicht so gefallen hat: Durch die Wipptasten links und rechts am Geräterand verblättert man sich rasch, wenn man den Kindle in die Hand nimmt. Und ohne ePub-Unterstützung kann man auf dem Gerät viele eBücher nicht lesen, seien sie nun aus der eigenen Bibliothek oder aus der deutschen On-Leihe – da ist man auf Konvertierungs-Werkzeuge wie „Calibre“ angewiesen.

Hier gehts zum Amazon-Video zum Kindle


Ein weitere Kritikpunkt ist zugegebenerweise Ansichtssache: Ich persönlich bevorzuge für das eBuch-Lesen den größeren, selbstbeleuchteten Bildschirm des iPads – das kostet freilich zwei- bis dreimal so viel und hat auch keine so lange Akku-Laufzeit wie der Kindle. Andererseits ist man für die im Kindle-Shop erworbenen AZW-formatierten Bücher nicht auf den Kindle angewiesen: Amazon bietet für den PC, das iPad und weitere Geräte kostenlose Lese-Apps an, die teils sogar besser gemacht sind als etwa Apples eigene eBuch-App. Unter anderem ist in der Kindle-App ein deutsches Lexikon integriert, das per Fingertipps für jedes Wort aufrufbar ist – eine Funktion, an der der Kindle selbst mangels Touch-Bildschirm scheitert. Das Whispernet macht sich übrigens auch hier positiv bemerkbar: Auf Nachfrage synchronisiert es zwischen allen angemeldeten Geräten die Lesezeichen.

Fazit: Der Kindle ist ein haptisch und funktional fast durchweg gut durchdachtes Lesegerät. Vor allem das kostenlose Whispernet ist klasse und in  Konkurrenzgeräten so nicht verfügbar. Und wer lieber mit dem iPad schmökert, ist mit der Kindle-App auch sehr gut bedient.
„Kindle“ (Amazon), eBuch-Lesegerät, 139 (nur WLAN) bis 190 (mit 3G-Modul) Euro
www.amazon.de

Zum Weiterlesen
Kommentar: Buchhandel muss sich bewegen

siehe auch:

Kindle im Oiger-Test
Pocketbook will deutschen Markt erobern
Asus-Tablettcomputer T91M im Test
Sonys eBook-Gerät PRS im Oiger-Test
Iriver Cover Story im Oiger-Test

iPad 1 im Oiger-Test

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.