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Die Fremde – Gefangen zwischen Tradition und Träumen

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Umay flieht mit Cem aus der Türkei

Wie kann man urteilen, ohne zu verurteilen? Diese schwierige Frage stellt sich bei dem Film „Die Fremde“. Denn wenn man den Film das erste Mal sieht, fragt man sich zu Recht, ob es so etwas wirklich noch gibt? Aus den Interviews im Extrateil der DVD wird man jedoch darüber informiert: Die Geschehnisse, die in dem Film gezeigt wurden, sind ordentlich recherchiert. Bei der Geschichte handelt es sich zwar um eine fiktive Erzählung, die sich mit diesen Akteuren und in dieser Form niemals abgespielt hat, trotzdem sind die Ereignisse auch heute noch in Deutschland keine Seltenheit.

die-fremde-miniUmay stammt aus einer stark traditionell geprägten Familie. Feste wie das Zuckerfest werden jährlich im Kreise der Familie gefeiert. Auch die Ehe unterliegt traditionellen Werten. Geheiratet wird nur, wenn der Vater des Bräutigams der Ehe zustimmt. Danach hat sich der frisch verheiratete Mann um seine Familie zu kümmern. Er ist derjenige, der für den Broterwerb verantwortlich ist und er ist derjenige, der bestimmt, nach welchen Regeln zu Hause gespielt wird. Umay lernt diese Regeln am eigenen Leib kennen.


Als Deutsch-Türkin beginnt sie damit diese Regeln zu hinterfragen. Als ersten Schritt verlässt sie mit ihrem Sohn Cem das gewalttätige Umfeld in der Türkei und reist zurück nach Deutschland zu ihrer Familie. Dort will sie ihre Schule beenden, um anschließend zu studieren. Damit kollidiert sie allerdings mit den alt hergebrachten traditionellen Regeln und bringt Schande über ihre Familie. Ihr Vater, der sie aus tiefsten Herzen liebt, steht mit einmal zwischen den Stühlen. Einerseits wird auf ihn mit dem Finger gezeigt und ihm nonverbal vorgeworfen, er habe seine Familie nicht im Griff. Andererseits will er sich nicht von seiner Tochter lossagen.

Der Druck durch die Gemeinschaft auf die Familie, in der Umay lebt, steigt jedoch zusehends. Zusätzlich fordert der Ehemann seinen Sohn Cem zurück. Da er als Mann das Oberhaupt der Familie ist, wird diese Forderung nicht hinterfragt. Stattdessen versucht die Familie von Umay, ihr den Sohn zu entziehen und ihn seinem Vater wieder zu zuführen. Aus Angst vor weiteren Entführungsversuchen flieht Umay mit ihrem Sohn aus dem elterlichen Haus und bricht damit endgültig mit den alten Traditionen.

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Aufgrund des Verhaltens von Umay wird die Verlobung ihrer jüngeren Schwester Rana aufgelöst.

Der Film erklärt sehr gut die Konflikte, die jedes einzelne Familienmitglied unter diesen Umständen ausfechten muss. Zum Beispiel Rana, die jüngere Schwester von Umay, die ihre Schwester über alles liebt. Als die Eltern ihres Verlobten die Verlobung aufgrund des Verhaltens von Umay auflösen, weiß sie nicht, wie sie sich verhalten soll. Oder der jüngere Bruder von Umay, Acar, der die Ehre der Familie retten soll und seine Schwester Umay, die sich um ihn sorgevoll kümmerte, als er klein war, aus der Welt verbannen soll.

Der Vater von Umay ist mit der Situation komplett überfordert. Eigentlich weiß er genau, wie er sich laut den traditionellen Regeln verhalten soll, trotzdem trifft er Entscheidungen nur zögerlich, da er an seiner Tochter hängt. Allein Mehmet, der ältere Bruder von Umay, scheint den Überblick nicht zu verlieren und verhält sich so, wie man es von einem traditionellen Türken erwartet.

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Umay und ihre Mutter Halime treffen sich im Park

In dem Film gibt es eine schöne Aussage von der Chefin von Umay, Gül. In einem Gespräch mit Umay, nachdem diese von ihrer Familie verstoßen wurde, fragte sie Umay, was sie jetzt unternehmen will. Umay ist zu diesem Zeitpunkt immer noch davon überzeugt, irgendwann wird ihre Familie sie wieder mit offenen Armen empfangen. Gül meinte dazu nur, wenn ihre Eltern zwischen ihr und der Gesellschaft wählen müssen, würde sie sich nicht für Umay entscheiden. Dieser eine Satz bringt das Dilemma aller Akteure in dem Film auf den Punkt. Gefangen zwischen Traditionen und den eigenen Träumen, siegen die Traditionen. Für Träume ist in dieser Umgebung kein Platz. Autor: Ronny Siegel

Kategorie: Filme

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Über sich selber etwas zu schreiben ist wohl eines der schwierigsten Dinge. Ich versuche es trotzdem. Mein Name ist Ronny Siegel. Auf Computer-Oiger blogge ich über Software und Filme. Mehr über mich findest du auf meiner Google+ Seite. In diesem Sinne "Kreise mich ein", wenn du mehr erfahren möchtest ;)

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