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La Vida Loca – Eine Dokumentation über die Straßengang M18 in El Salvador

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Willkommen im Ghetto von San Salvador

In dieser Gegend von San Salvador, der Hauptstadt des mittelamerikanischen Landes El Salvador, wird kaum ein Bewohner älter als 30 Jahre. In den Ghettos der Stadt tobt seit 18 Jahren ein Krieg. Verfeindete Mitglieder der Banden M18 und Mara Salvatrucha liefern sich in den Straßen einen erbitterten Kampf, bei dem jedes Jahr 2.000 Menschen sterben. 2009 erwischte es auch den Dokumentarfilmer Christian Poveda, der in seiner Dokumentation „La Vida Loca“ einen bedrückenden Tatsachenbericht aus den Ghettos lieferte.

la_vida_loca_mara_18_mutter_mit_kindEin Großteil der Bandenmitglieder in der Mara 18 und der Mara Salvatrucha stammen aus den USA. Dort wurden in den 90er Jahren alle Immigranten aus dem Land ausgewiesen, welche sich an kriminellen Aktivitäten beteiligten. Ein einfacher Diebstahl langte aus, um für immer das Land verlassen zu müssen. Die USA wollten mit ihren Gesetzen der „harten Hand“ ein Zeichen setzen und die ausufernde Gewalt in den Städten bekämpfen. Die Folge dieser Politik war die Weiterführung der Gangs in den Ländern Zentralamerikas, die dort die Traditionen aus den USA mitnahmen und ihren Kampf gegen andere Gangs fortsetzten.


Die Dokumentation „La Vida Loca“ berichtet über die Gang Mara 18 oder kurz M18. Der Name stammt aus den USA und bezeichnet die Herkunft der Mara, was soviel wie Gang bedeutet. Gegründet wurde der Vorläufer der M18 1960 in Los Angeles in der 18. Straße. Derzeit zählt sie immer noch zwischen 8.000 und 20.000 Mitgliedern und ist in den USA unter „18th Street Gang“ bekannt. Ihren Einflussbereich weitete sie jedoch seit den 90ern auch auf andere Länder aus und erreichte mit Spanien sogar den europäischen Kontinent.


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Tätowierungen – Symbole für die Zugehörigkeit zur Mara 18
„La Vida Loca“ erzählt jedoch vom Leben der Mitglieder der M18 in San Salvador. In kommentarlosen Bildern dürfen die Mitglieder der Gang von ihren Erlebnissen berichten und werden dabei gefilmt, wie sie ihren Alltag zu meistern versuchen. Im Focus der Dokumentation steht eine Handvoll der Mitglieder der M18, die eine Bäckerei gründeten, um die Bewohner des Ghettos mit Nahrungsmitteln zu beliefern. Allerdings wird dieser Versuch mehrmals von Polizisten torpediert, indem sie immer wieder Mitarbeiter der Bäckerei aufgrund ihrer Mitgliedschaft in der Mara 18 verhafteten.


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Eine weitere Beerdigung im Ghetto von San Salvador
Der Grund dafür ist ein Gesetzt, welches 2003 erlassen wurde. Nach dem Vorbild der „harten Hand“ in Amerika verkündete der Präsident Flores den Plan „Mano Dura“. Durch diese neuen Anti-Mara Gesetze dürfen Jugendliche ab 12 Jahren zu einer Höchststrafe von fünf Jahren verurteilt werden, wenn sie Mitglied in einer Mara sind. Aufgrund der Tätowierungen, mit denen die meisten Bandenmitglieder ihre Zugehörigkeit zu der jeweiligen Mara bekunden, kann somit eine entsprechende Tätowierung bereits eine Verhaftung rechtfertigen. Die Verhaftungen derjenigen, die in der Bäckerei arbeiten, gehörten somit zum Alltag.


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Massenverhaftung von Mitgliedern der Mara 18
Neben diesen Hürden bestand jedoch auch immer noch die Gefahr eines Überfalls der Mara Salvatrucha. In regelmäßigen Abständen überfallen sich die beiden Gangs und liefern sich Schießereien. Bei diesen werden neben den Gangmitgliedern auch immer wieder Unschuldige getötet. Eine Aktion der einen Gang folgt jedes Mal ein Gegenschlag der anderen Gang. Die Folgen sind weitere Tote und Verletzte.


Die Bilder der Dokumentation „La Vida Loca“ sind schockierend und betrügend. Der Dokumentarfilmer Christian Poveda versuchte nichts zu verstecken. Er hielt seine Kamera auf Ermordete und schwer Verletzte. Er zeigt das Leben der Mitglieder der Gang in schönen und schwierigen Momenten und schaffte es, die Wut und die Trauer der Beteiligten ins Licht zu rücken. In einem weiteren Special auf der DVD kommen zudem Mitglieder beider Banden kurz zu Wort und erzählen, warum sie verurteilt wurden und was die Gang für sie bedeutet. Hierdurch erfährt man letztendlich auch die Hintergründe für den stetigen Zufluss, welchen die Gangs zu verzeichnen haben. Derzeit geht man von über 70.000 Mitgliedern in der Mara 18 und der Mara Salvatrucha in El Salvador aus.

Weiterführende Links: Wikipedia (San Salvador, 18th Street Gang, Mara Salvatrucha, Christian Poveda), La Vida Loca

Entfernen von Tattoos – Der Ausstieg aus der Mara 18

In einem Beitrag auf Arte ging man 2012 ebenfalls auf das Problem der Gangs in Honduras ein. In diesem wurde erwähnt, dass Honduras zu den gefährlichsten Ländern zählt. Täglich sterben auf den Straßen Menschen durch die Kugeln von rivalisierenden Gangmitgliedern. Doch viele dieser Mitglieder wollen der Gewalt abschwören. Der Weg dahin führt über den Glauben. Nur wer sich als Christ bekennt, kann dem Töten entgehen.

Einige ehemalige Mitglieder versuchen den Ausstieg aber auch über einen anderen Weg. Sie lassen sich, in mehreren scherzhaften Laseroperationen, ihre Tattoos entfernen. Wie in der Dokumentation beschrieben wird, ist dieser Weg jedoch sehr gefährlich, da dies bei den Gangs nicht als offizieller Ausstieg gilt. Diese Mitglieder müssen auch weiterhin damit rechnen, verfolgt und ermordet zu werden. Autor: Ronny Siegel

 

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